Gut vorbereitet in die IVF

Ganz egal, ob du dich für eine Insemination, für eine IVF oder für eine ICSI entschieden hast, jede dieser reproduktionsmedizinische Methode kann und sollte nur unter Vorbereitung (Begleitung) statt finden. Und dabei meine ich nicht die medizinische Begleitung, diese ist in den meisten Fällen sehr professionell garantiert, sondern eine Begleitung, die dich als Frau mit all deinen Emotionen, Ängsten, Sorgen und sonstigen Befindlichkeiten auffängt und dich unterstützt, die vielen kleinen Schritte gemeinsam zu gehen.

Es ist aus meiner Sicht ganz wichtig, dass du dich während des Behandlungszyklus als ganz aktiv mitgestaltend empfinden kannst. Das setzt aber voraus, dass du dich im Vorfeld – und ich finde eine Zeitraum von mindestens 4 Wochen, besser 8 Wochen, gut – damit auseinandersetzt, wie du dich während dieser Behandlung geistig, seelisch und körperlich fühlen möchtest.

Dadurch bekommst du auch das Gefühl (wieder), ein mitbestimmender Teil in der Behandlung zu sein, denn wie du dich fühlen möchtest, dass kannst nur du für dich bestimmen und wird dir nicht von außen vorgegeben. Viele andere, vornehmlich medizinische Schritte werden dir vorgegeben, aber auch da kannst du mit der richtigen Begleitung lernen, wie du dich trotzdem auf dich und dein Inneres Erleben konzentrieren kannst.

Es macht eben einen Unterschied, all die vielen Behandlungsschritte, angefangen bei den Medikationen, den vielen Ultraschall-Untersuchungen, den Bluttest etc. etc. einfach über sich ergehen zu lassen oder jeden dieser Schritte als eine Hilfe und ein Vorankommen zu deinem Ziel, dem Baby, zu sehen. Mir fällt dazu immer das Bild einer dicken Eiche ein, die tief verwurzelt im Boden steht aber ihre Äste sind flexibel und passen sich dem Wetter an, wenn der Wind geht, wiegen sich die Äste mit und auch wenn ein Sturm kommt, eines bleibt immer gleich, die Verwurzelung zur Erde. Und so sehe ich auch das Ziel für die Behandlungen, du bist ganz in deiner Mitte – was auch immer deine Mitte sein mag – und bist flexibel, um auf die äußeren Anforderungen eingehen zu können, dich aber davon nicht umwerfen lässt.

Mir ist es auch sehr wichtig zu betonen, dass du nicht wie ein Objekt in die Behandlung gehst, die 10. Frau an diesem Tag, sondern als starke und mutige MUTTER, die auf diesem Weg ihrem Baby immer einen Schritt näher entgegengeht. Welches Bild da auch immer bei dir auftaucht, es kann ein Bild sein, dass dich durch die Behandlungsschritte begleitet und dich durch alles hindurch tragen kann. Wenn du so ein Bild erarbeitest und in das Gefühl gehst, bereits eine Mutter zu sein, dann kannst du auch mit einem gescheiterten Versuch ganz anders umgehen.
Denn auch ein gescheiterter Versuch hat dir eines ganz sicher gebracht: du hast etwas über dich und deinen Partner gelernt, du bist um eine Erfahrung reicher und du kannst das ganze auch so sehen: dein Baby ist schon bei dir gewesen, auch wenn die Hormontests vielleicht etwas anderes sagen, das kleine Lebewesen war in deinem Bauch, auch wenn es nur eine kurze Zeit war.

Und gleichzeitig finde ich es sinnvoll darüber nachzudenken, welche Ressourcen du brauchst, um mit JEDEM Ergebnis gut umgehen zu können. Die Begleitung der künstlichen Befruchtung stellt mich oft vor die Herausforderungen sowohl für die mögliche Mutterschaft vorzubereiten als auch alle notwendigen Ressourcen an der Hand zu haben, um mit einem gescheiterten Versuch umgehen zu können.

Eine künstliche Befruchtung ist nichts für zwischendurch,nicht ein Termin im Terminkalender wie das Essen mit einem Kunden. Es ist ein ganz besonderer Termin, ein Termin, der dich deinem sehnlichen Wunsch nach einem Baby näher bringt. Etwas, das du zelebrieren kannst. Ein Schritt zu deinem WUNDER.

Wenn du dich für diesen Weg entschieden hast, dann gehst du in die volle Verantwortung für dich und ich kann dir nur empfehlen, der Behandlung absolute Priorität zu geben und dir zumindest immer wieder Inseln der Ruhe und der Reflexion zu schaffen, um gut gestärkt durch die Behandlung gehen zu können. Und auch wenn dir suggeriert wird, du hättest vielleicht aufgrund deines Alters keine Zeit mehr, es kostet dir viel mehr LEBENSZEIT wenn du einen Versuch nach dem anderen machst und nicht auf dich und deine Bedürfnisse schaust.

Daher rate ich auch zu einer Pause nach einem gescheiterten Versuch, der Körper braucht Erholungszeit und du darfst wieder voll zu deinen Kräften kommen.

Und wenn du dann schwanger bist, dann geht die Reise weiter: es folgen die ersten 12 Wochen, viele weitere Untersuchungen (soweit du alle in Anspruch nehmen willst), die Geburt und dann das Leben mit Baby, Kleinkind, weitere Schwangerschaft etc. Und daneben bist du noch Frau, Partnerin, Du, etc.
Was ich damit sagen will: die Herausforderungen werden nicht kleiner, sondern eher größer und auch das darf in deine Vorbereitung einfließen und umso mehr empfehle ich dir, richtig gut gestärkt in die Behandlung zu gehen, voll mit Ressourcen, voll mit inneren Bildern und voller Freude auf die Erfahrungen, die du machen wirst.

Ein Gedanke zu „Gut vorbereitet in die IVF

  1. Toller Beitrag. Danke, dass du deine Erfahrungen teilst. Bei einer künstlichen Befruchtung gibt es vieles zu beachten. Man sollte sich immer sehr gut informieren und sich professionell beraten lassen. Vor allem ist es wichtig, dass man dem Arzt vertrauen kann und sich dabei wohl fühlt. Meine Schwester plant auch eine Behandlung und informiert sich auch umfangreich.

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