Von der Hingabe an das Leben

Ich habe in meiner Arbeit mit unterschiedlichen Themenstellungen zu tun. Entweder sind die Frauen gerade in der Phase abzuwarten, ob sie schwanger sind oder sie haben einen ganz frühen Schwangerschaftstest in Händen und sind kurz vor dem nächsten Ultraschall oder sind schon etwas weiter fortgeschritten in der 8.9.10.11..Schwangerschaftswoche.
Und andere sind schon weiter fortgeschritten und bereiten sich auf die Geburt vor. Und gerade wenn es vielleicht schon die Erfahrung eines frühen Abganges gibt oder auch eines erfolglosen künstlichen Versuches, dann sind diese „Wartezeiten“ mit besonderer Belastung verbunden.

Die Frauen stellen sich die Frage, ob sie schwanger sind, versuchen es an anderen Stimmungen oder Körpergefühlen festzumachen oder hoffen, dass beim Ultraschall neben dem Fruchtsack auch schon ein Dottersack zu sehen ist oder zittern, ob der Embryo einen Herzschlag zeigt und ob er für die Schwangerschaftswoche „groß“ genug ist. Und wenn dann die ersten 12 Wochen gut vorüber sind, dann hoffen die Frauen weiterhin auf ein gesundes Baby und eine möglichst natürliche Geburt nach ca. 40 Wochen Schwangerschaft. Ich denke wir bewegen uns beim Thema schwanger werden, schwanger sein und gebären und dann auch im Leben mit Kindern in einem Bereich, in dem wir nicht immer 100% Kontrolle haben können.
Ich glaube es hat mit Hingabe zu tun, Hingabe an das Leben. Hingabe an den Wunsch ein Kind zu
bekommen, gesund zu gebären und es weiter im Leben zu begleiten. Ich will damit sagen, dass die große Herausforderung darin besteht, sich dem hinzugeben, was ist. Jeden Moment, jeden Tag. Ich kann meinen Körper und meinen Geist optimal auf die Schwangerschaft vorbereiten, kann mich gesund ernähren, Sport machen, Stress vermeiden und meine Gedanken positiv beeinflussen. Ich kann in innere Bilder reisen und so meinen Körper und meinen Geist unterstützen. Ich kann meinen Körper mental als „Babyhotel“ (wie es eine meiner Klientinnen definiert) vorbereiten und hüten und pflegen. Das sind die Bereiche in denen ich Einfluss habe und wo es auch wirklich Sinn macht, Einfluss zu nehmen. Aber ob das Baby sich weiterentwickelt, wie es wächst, wann es zur Welt kommt, darauf haben wir keinen Einfluß. Es ist das Leben, das entscheidet, wie und ob es sich weiter entwickelt. Und auch wenn die Babys auf der Welt sind ist es Hingabe an das (neue) Leben, das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse und das mit den Dingen sein, so wie sie sind. Das ist eine große Herausforderung, gerade in der heutigen Zeit in der uns oft vermittelt wird, dass wir über alles Kontrolle hätten und das ist auch die Herausforderung meiner Arbeit: die Klientinnen auf jedes Ergebnis gut vorzubereiten, ihnen zu lernen, nicht nach dem „WARUM“ zu fragen sondern nach dem „WOZU“ oder „WOFÜR“. Und das ist meine Hingabe, in dem zu begleiten, was ist. Ohne Bewertungen und ohne es anders haben zu wollen oder zu glauben, die richtige Lösung für den anderen zu wissen. Jeden Moment, jeden Tag.