Von der Sinnhaftigkeit früher Schwangerschaftsuntersuchungen – ein Erfahrungsbericht

Ich war wie aus allen Wolken, schwanger, ungeplant, nach einer 4 wöchigen Reise zu mir selbst samt intensivem Fasten, um wieder zu mir zu finden. Und dann diese unglaubliche Freude, den positiven Test in den Händen zu halten. Und die Verunsicherung und tausend Gedanken in meinem Kopf und alles hoch und tief GLEICHZEITIG. Dann habe ich gleich einen Termin beim Gynäkologen gemacht, erster Ultraschall-Termin: Schwangerschaft bestätigt! Aber noch kein Mutter-Kind-Pass?! Warum?

Ich habe es nicht verstanden und die Sprechstundenhilfe versuchte mir zu vermitteln, dass es sein könnte, dass es sich noch „ändert“. Wie? Ändern? Sie versuchte mir zu erklären, dass es vor dem Feststellen eines Herzschlages noch keinen Sinn mache, einen Mutter-Kind-Pass auszustellen.
Ich habe das gehört aber verstanden habe ich es nicht und ich wollte es auch nicht verstehen. „Bitte kommen sie in 3 Wochen wieder, da ist dann wahrscheinlich die Herzaktivität zu sehen“. Diese 3 Wochen waren geprägt von Übelkeit, der Tatsache, dass mir meine Hosen nicht mehr gepasst haben und einem Gefühl, dass doch irgendetwas mit dem Baby nicht stimmen könnte. Da war so eine zarte Angst in mir, nicht wegen des Arzttermines sondern so eine Art Gewissheit in mir, ein Bauchgefühl. Ich habe es nicht so beachtet.
Und dann dieser zweite Termin und der Gynäkologe schweigt irgendwie und sagt dann: Oje! Wie: oje? Ich habe nicht verstanden, was er meint und er sagt, dass er keinen Herzschlag sehe und dass dieser für diese Schwangerschaftswoche aber schon sichtbar sein müsste. Und er bitte mich zu einem Kontrolltermin in einer Woche, aber es sehe schlecht aus.
Eine Welt bricht für mich zusammen, ich fahre viele Stunden im Auto unter Tränen, um zu meinem damaligen Mann zu kommen. Ich bitte dieses Kind und meditiere und spreche mit ihm, auf natürliche Weise abzugehen, ich wollte keine Kürettage bei der ich erwache und nicht mehr schwanger bin. Und es gelingt, in einem Restaurant beim Abendessen bekomme ich so starke Krämpfe, wie Wellen einer Geburt und das Kind geht am dortigen WC ab. Ich kann mich verabschieden, ich sehe, was ein paar Wochen in mir gewachsen ist und kann damit Frieden finden. Ich bin erleichtert.

Trotzdem lasse ich eine Kürettage vornehmen. Ich weiß noch, wie ich aufgewacht bin, sagt die Anästhesistin zu mir: „Und beim nächsten Mal sehen wir uns zur schmerzfreien Geburt!“. Es war nett gemeint, aber mir hat es den Magen umgedreht, die Reste meines Kindes wurden mir gerade herausgeschabt, da konnte ich weder an eine weitere Schwangerschaft, noch an eine Geburt und dann schon gar nicht an eine künstlich schmerzfrei! gemachte, denken. Aus der Traum vom Muttersein. Ich mache eine Ritual, um mich von dem Kind zu verabschieden, ich lasse einen dieser chinesischen Ballons mit einer Kerze steigen und lasse die Seele so gehen…..

Bei meiner zweiten Schwangerschaft bin ich ganz klar, ich mache einen Test und lasse mir Zeit mit der ersten Ultraschall-Untersuchung, ich stelle „lästige“ Fragen über die Sinnhaftigkeit der frühen Untersuchungen, die zudem nicht im Mutter-Kind-Pass vorgesehen und damit alle selbst zu bezahlen sind! Es wird mir erklärt, dass man ohnehin in der frühen Schwangerschaft wenig bis gar nichts machen könne. Da ist für mich noch mehr klar, dass ich keine Bestätigung über den Herzschlag brauche. Ich vertraue meinem Gefühl und das ist dieses Mal ein ganz anderes, ich bin überzeugt, dass es meinem Baby gut geht und wir wachsen in Ruhe. Ich verweigere zum großen Erstaunen meines Arztes und meines Umfeldes auch weitere Untersuchungen wie Nackenfaltenmessung  und andere Tests…Ich habe mich für dieses Kind entschieden und es kommt so, wie es kommen möchte…da ist auf einmal ein unglaubliches Muttergefühl in mir und das lasse ich mir von keinem Test absprechen. Und so genieße ich die ersten 12 Wochen, jede Sekunde, jede Minute und jeden Tag bis zur Geburt. Und lasse mich nicht verunsichern, ich vertraue und so mache ich es auch in meiner dritten Schwangerschaft.

Was ich mit diesem persönlichen Beitrag sagen will: es ist gut, sich im Vorfeld zu überlegen, wie viel – leider nur vermeintliche – Sicherheit du brauchst oder ob du in das Vertrauen gehen kannst, dass du schwanger bist und das Kind so wächst, wie es für es selbst und für dich vorgesehen ist. Niemand weiß, wie lange dieser kleine Bewohner bei dir sein möchte, vielleicht nur ein paar Wochen oder bis zur Geburt und Jahre darüber hinaus. Was ich von meinem „Sternchen“ gelernt habe: ich wusste ab dem Verlust ganz sicher, dass ich Mutter sein will und ich habe vor allem eines erfahren: loszulassen, schon zu einem frühen Zeitpunkt und das begleitet mich seither mit meinen Kindern immer wieder: ich habe bei der Geburt losgelassen und jeden Tag lasse ich sie mehr los und lasse sie in ihr eigenes Leben gehen.

In Erinnerung an mein Sternchen.

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